Kellergalerie im Coop Cafe
Kunst / Veranstaltungen / Events / Treffen






Ausstellung mit Jennifer Baumeister und Cheryl Bleakley





Vernissage am 8. April 2011 um 19 Uhr

Ausstellung vom 9. April bis zum 30. April

tgl. ausser Sonntag ab 18 Uhr



Die gezeigten Arbeiten sind Teile einer gemeinschaftlichen Installation zweier Künstlerinnen: Cheryl Bleakley aus Belfast und Jennifer Baumeister aus Berlin.

Thematische Grundlage der Ausstellung sind die 7 Todsünden und die 7 Tugenden. Ihre Geschichte, Bedeutung und ihre Stellung in der Gegenwart.
 
Jennifer Baumeister und Cheryl Bleakley arbeiteten in ihren Wohnorten Belfast und Berlin, Städte, die - auch wenn die Kulturen und politischen Hintergründe sich stark unterscheiden - ähnliche Erfahrungen der politischen Spaltung erlebten und teilweise noch erleben. Hier nutzten die Künstlerinnen die archetypischen Charakteristiken der Sünden und Tugenden als Leitfaden, um moderne gesellschaftliche Umstände künstlerisch darzustellen.

Das Resultat ist eine gesellschaftskritische, interdisziplinäre Gemeinschaftsinstallation aus Video, Objekten, Malerei, Dokumentation,  Sound und interaktiver Computerinstallation, die sich mit Vorwurf, Zwängen, Todesstrafe, Kindersoldaten und dem dualistischen Denken der Gesellschaft auseinandersetzen.

Cheryl Bleakley lebt und arbeitet in Belfast, Nordirland. Sie studierte Kunst mit Psychologie in Chester, Psychologie in Essex und Psychotherapie in Belfast.
Ausstellungen u.a. in: Nordirland, England und Deutschland.
Mehr Informationen über Cheryl Bleakley unter: www.bleakleyart.com
Email: cherylbleakley@hotmail.com

Jennifer Baumeister lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Bildhauerei, Kunst- und Kulturgeschichte und Keltologie in Berlin und Fine & Performing Arts in Philadelphia.
Ausstellungen u.a. in: Deutschland, Nordirland, England, Ungarn und Slowakei.
Mehr Informationen über Jennifer Baumeister unter  www.jenniferbaumeister.com
Email: info@ jenniferbaumeister.com


Artstrike Ausstellung
Durch Kunstaktionen und Musik ist ein "word/art/soundstrike" Netzwerk internationaler Kulturschaffender gegen Rassimus, Kriege und Umweltzerstörung und für Bürger- und Menschenrechte entstanden.
http://www.artstrike.de

TEXTE ZUR AUSSTELLUNG

Jennifer Baumeister – Berlin

Malerei

Gezeigt werden Kinder der Straße und Kindersoldaten, Kinder, die in unserer Gesellschaft wie
Ausschussware und Wegwerfprodukte behandelt werden. Unwichtig und schnell vergessen. Meist
traumatisiert und stets von Schmerz, Leid und Armut begleitet. Hier bekommen sie ihr eigenes Portrait
und die Aufmerksamkeit des Betrachters, der sie allein und außerhalb der Gruppenzuordnung als
Individuum sieht. Diese Kinder, dargestellt als Porträt, Kniestück oder ganze Figur, befinden sich meist vor
einem kahlen, nur gelegentlich mit minimalen Requisiten ausgestatten Hintergrund, der eine konkrete
lokale Zuordnung offen lässt. Die Dargestellten sind meist passiv. Sie scheinen aus ihrer eigenen Welt in
das merkwürdige Dasein der Erwachsenen geworfen worden zu sein, wo sie nun verlassen, verloren und
deplatziert wirken.
Die Bildkompositionen sind reduziert und erzeugen nicht zuletzt durch nahe und ungewöhnliche
Blickwinkel eine formale Klarheit und bildnerische Direktheit. So wird die Distanz zum Modell immer
wieder durchbrochen.

Death Row Visit

In der medienüberfluteten Welt - in der Zeit des Reality TVs - sieht man die Gesichter vieler Unbekannter.
Man sieht sie kurz und vergisst sie wieder. Man nimmt sie nicht als Menschen wahr. Sie sind in einer
anderen Welt. Eine Flut von Bildern der Insassen sieht auch der Betrachter des „Death Row Visit“.
Anders als zuhause wird er jedoch direkt angesprochen: Das Telefon klingelt vor seiner Nase und ein
Mensch wartet im Hinrichtungsraum (Fernseher) auf Antwort. Es hört auf zu klingeln und er sieht zu wie
eine weitere Person hingerichtet wir. Das Telefon ist der Kontakt zur Außenwelt. Sowohl zum privaten
Besuch, als auch zur Befehlsgewalt. Der Fernseher ist die Innenwelt das Sichtmedium in die Death
Row. Er ist der Blick aus dem Besucherraum in Hinrichtungsraum. Nach dem lotterieartigem schnellen
Ablauf und der scheinbar wahllosen Selektion verweilt der Blick bis zum Ende des Telefonklingelns (der
letzte Versuch eines Gnadengesuchs) auf einer Person. Der Ruf geht in die Außenwelt. Nicht weit weg
von uns. Dann färbt er sich. Die Farben sind in Anlehnung an Fred A. Leuchters Injektionsmaschinen-
Gebrauchsanweisung: Rot > Bereitschaft; Gelb > Injektionsvorgang läuft; Grün > Injektionsvorgang
abgeschlossen - Hinrichtung erfolgreich vollzogen. Schließlich löst der Mensch sich auf. Wie bei einem
Videospiel. Unwirklich. Als wäre er nicht real.
Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1977 wurden mehr als 1.200 Menschen
hingerichtet. Bei über 100 Verurteilten stellte sich kurz vor ihrer Hinrichtung heraus, dass sie unschuldig
waren, so dass sie nach zum Teil 18 jährigem Todeszellenaufenthalt freigesprochen wurden.

The Sinometer

Das Sinometer ist eine Maschine, die angibt, ob eine Person mehr zur Sünde oder zur Tugend neigt.
Auch wenn in der heutigen Zeit ein dualistisches Weltbild - ein Schwarz-Weiß-Denken - wie in es in den
sieben Todsünden und den sieben Tugenden zu finden ist, meist als archaisch angesehen wird, so werden
in unserer Gesellschaft doch häufig fragwürdige Methoden benutzt, um einer Sache auf den Grund zu
gehen oder einen "Beweis" zu finden, die ebensolche dualistischen Denkweisen als Grundlage haben. So
gibt es zum Beispiel in zahlreichen TV-Shows Lügendetektortests und auch das E-meter der Scientologen,
welches angeblich die Spiritualität der Person prüft, fällt in diese Kategorie. Aber auch mache Behörden
nutzen ähnliche Techniken. In Großbritannien werden teilweise telefonische Lügendetektorsysteme
benutzt, um Sozialhilfebetrüger zu überführen oder es werden Sexualstraftäter an Lügendetektoren
angeschlossen, um ihren Rückfall auszuschließen.
Nach langer Recherche mit diversen Interviews (u.a. mit Priestern und Psychotherapeuten) konnte
Jennifer Baumeister einen klaren Zusammenhang zwischen Angst und Sünde ziehen: Angst als Ursprung
der 7 Todsünden und Liebe als Ursprung der Tugenden. Von dieser Feststellung ausgehend baute sie eine
Maschine, welche die Tendenz der Menschen zu Sünde und Tugend anzeigt.
Das Sinometer zeigt nicht nur, ob Du eher zur Sünde oder zur Tugend neigst, aber auch wie einfach es ist
in eine Kategorie geschoben zu werden und wie gerne einfache Antworten angenommen werden.

Cheryl Bleakley - Belfast

Speech
Those interviewed discussed the dilemma of speaking out in a dualistic society. They
described our tendency to the ‘sins’ the other group, rather than in themselves or ‘their
own people’. It was a finger-pointing exercise that still embodied aggression. Even the
loudspeaker, usually a symbol of free speech seems to be shooting out sugar-coated
bullets. The viewer is invited to use the loudspeaker.

Sundays
The installation depicts a typical occurrence in Ireland until 1980s. Swings were tied
up on Sundays to mark them out of bounds. A friend stated that, growning up in a
Catholic family in Belfast, the only thing he knew about Protestants was that they were
responsible for tying up the swings on a Sunday. It was also a known practice in Dublin.
The nuns would tie up the swings on a Sunday until the children had learned their
Catechism. Such was the child’s introduction to Christianity, religion and division.

Spero Meliora
The artist’s friend had this motto tattooed onto his arm as a teenager after a traumatic
event. Spero Meliora, “I hope for better things”. Children growing up since the “Good
Friday Agreement” in Belfast have seen relative peace in N.Ireland. Whilst underlying
and overt bitterness remains, there is an opportunity for these children, now 12years
old, to have hope for a better experience than their parents. Taking the state of the
arts as one indicator of a country’s progression, the child projects her hope onto a blank
canvas. She will be able to express herself more openly than those living during The
Troubles. She can create new, honest art that is no longer repressed by fear.




ZURÜCK ZUM GESAMTPROGRAMM



























DISCLAMER -HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Impressum